Die Wende als Individualisierungsschub?: Umfang, Richtung by Gitta Scheller

By Gitta Scheller

M Zentrum der Studie steht die Frage, ob und inwieweit Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung von einem Individualisierungsschub erfasst wurde. Dies wurde auf Grund der schnellen Anpassung der Lebensbedingungen in Ostdeutschland an westdeutsche Verhältnisse von vielen AutorInnen erwartet. Die Ergebnisse dieser Untersuchung widersprechen der Vermutung nicht. Sie zeigen aber, dass der Individualisierungsprozess in Ostdeutschland auf Grund der anders gelagerten Sozialisationserfahrungen der Menschen sowie der Spezifika des Transformationsprozesses zahlreiche Besonderheiten gegenüber dem westdeutschen aufweist, d.h. eine andere inhaltliche Ausprägung annimmt, in anderer Richtung verläuft und sich auch in anderer Stärke darstellt.

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H. eigene Anspruche und subjektive Entscheidungssituation im Einklang stehen und eine Gleichrangigkeit der Entscheidungsalternativen gewahrleistet ist. B. dann der Fall, wenn sich eine Person freiwillig dazu entschlieBt, unverheiratet allein zu leben, weil diese Lebensform fur sie die beste aller Moglichkeiten darstellt. Die durch Autonomie, Freiwilligkeit und Kontrolle tiber aIle Bedingungen gepragte Entscheidungssituation ist aber ein kaum anzutreffender Idealfall. Verbreiteter wird der Typus der tendenziell individualisierten Entscheidung sein.

Auch tiber die Entsolidarisierung in der Erwerbssphare ist noch zu wenig bekannt. Wir wissen nicht, inwieweit der Entsolidarisierungsprozess fUr alle Berufsstatusgruppen zutrifft und in welcher Form er sich auf der Ebene realen Verhaltens niederschlagt. Auch tiber berufsbezogene Entscheidungsprozesse der Menschen ist kaurn. etwas bekannt. Trotz dieser Defizite deutet der Anstieg atypischer Beschaftigungsformen, die Destandardisierung des Erwerbsverlaufs sowie der Bedeutungswandel des Solidaritatsverstandnisses darauf hin, dass die westdeutsche Erwerbsgesellschaft individualisierter ist als vor 50 lahreno Gleichzeitig drangt sich aber der Eindruck auf, dass der seit den 1980er lahren in Gang gekommene Individualisierungsprozess im westdeutschen Erwerbsbereich eher bescheiden verlaufen ist und nicht alle Bereiche in gleicher Weise erfasst hat.

Die von ihm unterstellte, durch Autonomie, Freiwilligkeit und Kontrolle uber aile Bedingungen gepragte Entscheidungssituation, stelle allerhochstens einen Grenzfall bzw. eine Ausnahme dar. Entscheidungen brauchten nicht ausschlieBlich auf freien Entscheidungen der Individuen zu beruhen (BeckiBeck-Gemsheim 1993, 179), sondem Individualisierung schlieBe ebenso eine "Wahl unter Restriktionen, z. B. ; Beck 1995, 192) ein. Die gewahlten Lebensfonnen mussten keinesfalls fUr die betreffende Person die ,erste Wahl' , also die angestrebte und zielbewusst verwirklichte Lebensfonn bedeuten (BeckiBeck-Gemsheim 1993, 181).

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